Bildung schützt vor Ausbeutung, fördert die Selbstverantwortung und bildet so die Basis für wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt.
Doch gerade in Krisengebieten ist Bildung keine Selbstverständlichkeit: Krieg, Kinderarbeit, Frühehen oder fehlende Infrastruktur verhindern, dass Millionen Kinder lernen können.
Laut UN fehlt es mehr als 600 Millionen Kindern und Jugendlichen weltweit an grundlegenden Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten – obwohl zwei Drittel von ihnen zur Schule gehen.
SDG 4: Hochwertige Bildung für alle
Genau hier setzt das vierte Ziel der Agenda 2030 (SDG 4) an: inklusive, gerechte und hochwertige Bildung für alle. Doch wie lässt sich dieses Ziel erreichen – und welche Rolle spielt eine nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit dabei?
Hochwertige Bildung für alle – aber wie?
In vielen Krisengebieten fehlt es an ganz grundlegenden Voraussetzungen: Sichere Schulgebäude mit ausreichend Klassenzimmern, Ausstattung oder Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen.
Zudem haben nicht alle Kinder die gleichen Chancen. Besonders Mädchen, Kinder aus finanziell armen Familien oder marginalisierten Gruppen sind benachteiligt. Sie müssen arbeiten, statt zur Schule zu gehen, werden früh verheiratet, befinden sich auf der Flucht oder erfahren Diskriminierung im Bildungssystem.
Um echte Bildungsgerechtigkeit zu schaffen, braucht es deswegen vielfältige Ansätze:
- Stärkung öffentlicher Bildungssysteme: Langfristige Investitionen in Schulen, Lehrpläne und Lehrkräfte sichern den Zugang zu Bildung für alle.
- Abbau von Bildungshindernissen: Maßnahmen gegen Kinderarbeit, Frühehen, Gewalt und Diskriminierung können Chancengerechtigkeit stärken.
- Infrastruktur und Ausstattung: Schulgebäude mit gut ausgestatteten Klassenzimmern, sanitären Anlagen und Lernmaterialien sind Grundvoraussetzungen für gute Lernbedingungen.
- Kapazitätsaufbau: Infrastruktur allein reicht nicht, damit ein sicheres Lernumfeld entsteht. Gut ausgebildete Lehrkräfte und eine engagierte Schulgemeinschaft sind dafür entscheidend.
- Partizipation und Kontextsensibilität: Bildungsangebote müssen lokal verankert und kontextspezifisch sein sowie Schüler*innen, Eltern und Gemeinden einbeziehen.

Die Rolle Nachhaltiger Entwicklungszusammenarbeit
Zivilgesellschaftliche Organisationen können beim Bau und der Renovierung von Schulen unterstützen, Materialien bereitstellen, die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften fördern und so sichere Lernorte schaffen. Gerade in Krisengebieten ist diese Unterstützung oft notwendig – aber diese ungleichen Chancen und Voraussetzungen sind kein Zufall. Die Folgen des Kolonialismus, ungerechte Handelsstrukturen, Stellvertreterkriege und der Klimakrise tragen dazu bei, dass Menschen im Globalen Süden oft weniger Chancen haben als Menschen im Globalen Norden.
Globale Ungleichheiten und historische Verantwortung
Entwicklungszusammenarbeit ist ein Weg, Verantwortung zu übernehmen und den Grundstein für gerechtere Bildung zu legen – aber keine Garantie für mehr Gerechtigkeit. Damit sie langfristig wirksam ist, müssen Abhängigkeiten und Machtungleichgewichte kritisch reflektiert werden.
Wenn Programme stark von ausländischer Finanzierung abhängen oder Geberländer über Prioritäten und Erfolgskriterien entscheiden, bleiben lokale Strukturen oft fragil. Das kann dazu führen, dass Maßnahmen nicht zur Realität vor Ort passen oder bestehende Ungleichheiten und koloniale Denkmuster unbewusst fortgeführt werden. Ein nachhaltiger Ansatz muss deshalb darauf setzen, lokale Kapazitäten zu stärken und sicherzustellen, dass Bildungssysteme langfristig eigenständig funktionieren können.
Partnerschaft und lokale Verantwortung
Gleichzeitig ist entscheidend, dass Entwicklungszusammenarbeit gemeinsam mit den Menschen vor Ort gestaltet wird. Wenn Schüler*innen, Lehrkräfte, Eltern und Gemeinden von Beginn an beteiligt sind und Verantwortung übernehmen können, entstehen langfristige Strukturen, die Bestand haben.
Nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit bedeutet daher, lokale Expertise ernst zu nehmen, Wissen zu teilen und Lösungen partnerschaftlich zu entwickeln. So kann sie dazu beitragen, Bildungsungleichheiten zu verringern – und einen Beitrag zu mehr sozialer Gerechtigkeit und Frieden zu leisten.
FAQ
Was bedeutet nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit?
Nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit zielt darauf ab, soziale, wirtschaftliche und politische Strukturen langfristig zu stärken. Im Bildungsbereich bedeutet das, lokale Bildungssysteme so zu unterstützen, dass sie dauerhaft, eigenständig und bedarfsgerecht funktionieren können.
Welche Rolle spielt Bildung in der Entwicklungszusammenarbeit?
Bildung ist ein zentraler Hebel für soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche Teilhabe und gesellschaftliche Stabilität. Entwicklungszusammenarbeit kann dazu beitragen, Bildungssysteme zu stärken, Bildungszugänge zu erweitern und bestehende Ungleichheiten abzubauen.
Was bedeutet Bildungsgerechtigkeit?
Bildungsgerechtigkeit bedeutet, dass alle Menschen unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Einkommen oder Lebensumständen gleiche Chancen auf hochwertige Bildung haben. Entscheidend sind dabei nicht nur formale Schulbesuche, sondern auch Lernqualität und sichere Rahmenbedingungen.
Wie kann Entwicklungszusammenarbeit nachhaltig gestaltet werden?
Nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit setzt auf partnerschaftliche Zusammenarbeit, lokale Expertise und den Aufbau von Kapazitäten vor Ort. Projekte sind dann besonders wirksam, wenn sie gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung entwickelt werden und langfristig Unabhängigkeit fördern.
