Lernräume und Teilhabe für benachteiligte Kinder und ihre Mütter

Balkh, Afghanistan
Projektstart: 2025
Spendenstand: 0 €
Ziel: 382.834 €

Das Projekt stärkt sechs staatliche Schulen in der Provinz Balkh im Norden Afghanistans und richtet zusätzlich zwölf gemeindebasierte Lernzentren ein. Insgesamt erreichen wir rund 4.840 Schüler*innen an Schulen sowie 720 Kinder und Jugendliche in den Lernzentren. Gemeinsam mit unserem langjährigen lokalen Partner OHW (Organization of Human Welfare) renovieren wir Schulgebäude, verbessern Wasser- und Sanitärversorgung, qualifizieren Lehrkräfte und schaffen geschützte Lernräume. Ergänzend bieten wir seelische Unterstützung und fördern einkommensschaffende Maßnahmen für 40 Mütter. Ziel ist es, Bildung, Schutz und Zukunfts-perspektiven nachhaltig in den Gemeinden zu verankern. 

AUSGANGSSITUATION

Die Provinz Balkh ist überwiegend ländlich geprägt, die Landwirtschaft stellt für viele Familien die wichtigste Einkommensquelle dar. Trotz vorhandener wirtschaftlicher Potenziale lebt mehr als 65 % der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Viele Kinder sind gezwungen, die Schule abzubrechen und stattdessen zu arbeiten, um zum Einkommen ihrer Familien beizutragen. Dabei sind sie oft schweren körperlichen Belastungen ausgesetzt, müssen lange Arbeitszeiten bewältigen und erleben nicht selten verbale, physische oder sexuelle Übergriffe.  

BILDUNGSKRISE

Bereits vor der Machtübernahme der Taliban waren zehntausende Kinder im schulpflichtigen Alter weder an Schulen registriert noch haben sie jemals formale Bildung erhalten. Durch den Ausschluss von Mädchen aus dem Bildungssystem sowie die Rückkehrerkinder aus Pakistan und dem Iran hat sich diese Zahl noch deutlich erhöht. In den Gemeinden bestehen kaum alternative Bildungsangebote für Kinder, die nicht am formalen Unterricht teilnehmen dürfen. 

HERAUSFORDERUNGEN FÜR SCHULEN & GEMEINDEN

An den sechs Projektschulen lernen 4.840 Kinder unter äußerst schwierigen Bedingungen. Viele Schulgebäude sind stark sanierungsbedürftig: Es fehlen sichere Dächer, schützende Mauern, Fenster und Türen, ausreichende Ausstattung sowie Zugang zu Strom und sauberem Trinkwasser und hygienischen Sanitäranlagen. Diese Bedingungen beeinträchtigen nicht nur die Qualität des Lernens, sondern führen zu erhöhten Fehlzeiten, Krankheiten und Schulabbrüchen. 

Zudem fehlen in den Gemeinden geschützte Räume, in denen benachteiligte Kinder lernen, sich austauschen und sicher fühlen können. Diese Situation wirkt sich negativ auf Selbstvertrauen, Motivation und persönliche Entwicklung aus und verstärkt bestehende Ungleichheiten. Ein Großteil von ihnen leidet inzwischen an Angststörungen oder Depressionen, während therapeutische Unterstützungsangebote fehlen. 

Schulen und gemeindebasierte Lernzentren könnten hier eine zentrale Schutz- und Stabilitätsfunktion übernehmen – diese Potenziale bleiben bislang jedoch ungenutzt. 

PROBLEMSTELLUNG UND LÖSUNG

In diesem Projekt ermöglichen wir benachteiligten Kindern in ländlichen Gemeinden den Zugang zu Bildung, Schutz und Zukunftsperspektiven. Dabei setzen wir auf einen gemeindebasierten Ansatz, bei dem Gemeindemitglieder, Schulen und lokale Behörden aktiv in Planung und Umsetzung eingebunden sind. So entstehen Bildungsangebote, die an die Gegebenheiten vor Ort angepasst sind und auch unter den aktuellen politischen Einschränkungen Bestand haben. 

VERBESSERUNG DER LERNBEDINGUNGEN AN STAATLICHEN SCHULEN 

An sechs staatlichen Schulen werden dringend notwendige Reparaturen durchgeführt. Dazu zählen der Austausch von Fenstern und Türen, Verputz- und Malerarbeiten an Innen- und Außenwänden, die Instandsetzung von Dächern sowie der Bau oder die Sanierung von Latrinen und Mauern. Zusätzlich wird die Versorgung mit Wasser und Strom sichergestellt sowie Bänke und Tische bereitgestellt, damit Schüler*innen nicht länger auf dem Boden lernen müssen. Gerade für Mädchen in den Klassenstufen 1 bis 6 ist ein stabiles und sicheres Lernumfeld entscheidend, um Grundkenntnisse wie Lesen, Schreiben und Rechnen zu erwerben, da sie aufgrund des Bildungsverbots nur in dieser Phase Zugang zu formaler Bildung haben.  

ALTERNATIVE BILDUNGSANGEBOTE FÜR BENACHTEILIGTE KINDER 

In zwölf Gemeinden werden gemeindebasierte Lernzentren eingerichtet und vollständig ausgestattet, die benachteiligten Kindern einen alternativen Zugang zu Bildung eröffnen. Die Zentren orientieren sich am staatlichen Lehrplan und ermöglichen, wo möglich, den Übergang in das formale Schulsystem. Dafür werden zunächst in jeder Gemeinde lokale Komitees gegründet, bestehend aus Gemeindevorstehern, Eltern und Schulvertretungen. Sie stellen Räumlichkeiten bereit, begleiten die Umsetzung und entwickeln Aktionspläne für Bildung und Kinderschutz. Zusätzlich werden für jedes der Zentren zwei Betreuer*innen eingestellt und umfassend geschult – unter anderem zu kindgerechten Lehrmethoden, Kinderschutz, mentaler Gesundheit und der Gestaltung geschützter Räume. 

GESCHÜTZTE RÄUME UND SEELISCHE UNTERSTÜTZUNG  

In den Lernzentren werden im Einklang mit den lokalen Rahmenbedingungen Lern- und Begegnungsräume eingerichtet und kulturell sensibel umgesetzt. Diese Angebote werden durch therapeutische Unterstützung ergänzt, um Kindern bei der Verarbeitung von Stress, Angst und Perspektivlosigkeit zu helfen. Kinder mit erhöhtem Schutzbedarf werden frühzeitig identifiziert und bei Bedarf an bestehende lokale Unterstützungsstrukturen vermittelt. Insgesamt erhalten 250 Kinder und ihre Familien niedrigschwellige seelische Beratung; weitere 150 besonders belastete Kinder werden durch individuelles Fallmanagement intensiv begleitet. 

WIRTSCHAFTLICHE STÄRKUNG VON MÜTTERN 

Da finanzielle Armut ein zentraler Treiber für Schulabbrüche, Kinderarbeit und Frühehen ist, setzt das Projekt auch bei der wirtschaftlichen Situation der Familien an. 40 Mütter von Kindern in den Lernzentren werden dabei unterstützt, ein eigenes Einkommen aufzubauen. Sie erhalten sowohl eine materielle Ausstattung zur Gründung kleiner Einkommensaktivitäten als auch Schulungen zu unternehmerischen Grundlagen und eine begleitende Beratung. 

BILDUNG & SCHUTZ  IN DEN GEMEINDEN VERANKERN

Um Bildung, Kinderschutz und die Förderung von Mädchen nachhaltig in den Gemeinden zu stärken, setzt das Projekt auf einen mehrstufigen Sensibilisierungsansatz. Die geschulten Komitees erreichen durch Hausbesuche, Gemeindeversammlungen und Infomaterialien mindestens 9.000 Gemeindemitglieder. Zusätzlich werden 30 Angestellte lokaler Behörden darin geschult, Gefährdungen für Kinder frühzeitig zu erkennen und konkrete Maßnahmen dagegen zu planen und umzusetzen. Auch 360 Eltern – insbesondere Väter – nehmen an Trainings zu Bildung, Kinderschutz und ihrer Rolle bei der Förderung von Mädchen teil. So wird Bewusstsein geschaffen und in konkretes Handeln überführt.

WAS BISHER GELEISTET WURDE

Sep 2023

FORTSETZUNG DER BAUARBEITEN UND SCHUL-MANAGEMENT WORKSHOPS

Im September wurden die Innenräume gestaltet, darunter die Verkleidung der Wände, die Installation von Türen und Fensterrahmen sowie Arbeiten an den Toilettenwänden. Zusätzlich organisierte unsere lokale Partnerorganisation OASE Schul-Management-Workshops, bei denen Lehrer*innen an einer gemeinsamen Vision und einem Aktionsplan für die Schulentwicklung arbeiteten. Diese Maßnahmen sollen sicherstellen, dass die Fortschritte auch nach Abschluss der Projektphase nachhaltig vorangetrieben werden.

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