Ausgangssituation

Afghanistan ist ein Binnenstaat Südasiens mit ca. 35 Millionen Einwohner. Durch etliche Kriege und politische Unruhen in den letzten 40 Jahren befindet sich das Land in einer instabilen Situation. Die Hauptstadt Kabul befindet sich im Osten Afghanistans. Sie ist die größte und mit 4,6 Millionen Einwohner (Stand 2015) die mit Abstand bevölkerungsreichste Stadt des Landes. Gerade die zahlreichen Anschläge in den letzten Wochen und Monaten, die hunderte Opfer forderten, zeichnen den Alltag der Einheimischen und erschweren die Arbeit von Hilfsorganisationen. Nichtsdestotrotz brauchen das Land und vor allem die Kinder gerade jetzt unsere Unterstützung, um Mut und Hoffnung schöpfen zu können.

Der Projektstandort liegt in Khwaja Boghra, einem Viertel, das zu den ärmsten der Stadt zählt. Die Bewohner arbeiten hauptsächlich in der Landwirtschaft oder üben Handwerksberufe aus – sofern sie überhaupt Arbeit finden. Zudem zeichnet sich Khwaja Boghra durch einen hohen Anteil an Kinderarbeit aus. Häufig ist dies auch bei den Schülern unserer Projektschule der Fall und sie müssen vor oder nach den Schulzeiten arbeiten, um ihre Familien finanziell zu unterstützen. Die staatliche Grund- und Mittelschule „Khwaja Boghra“ wurde 2009 gebaut. 2.002 Mädchen und 2.248 Jungen, insgesamt 4.250 Schüler im Alter von 6-16 Jahren, sind an der Schule registriert und besuchen in drei Schichten den Unterricht. Die Schule verfügte vor unserem Agieren über drei unterschiedlich große Gebäude mit insgesamt etwa 20 Klassenräumen und fünf Latrinen in einem separaten Gebäude. Im Sommer 2015 reiste unser Mitglied Farhat Bafaiz nach Kabul, um ihre Familie zu besuchen. Ihre Tante ist Lehrerin an der Schule und bat Visions for Children e.V. um Unterstützung. Farhat begann mit der Bestandsaufnahme und Grundlagenermittlung noch während ihres Aufenthalts.

Problemstellung und Lösung

Die Bestandsaufnahme konnte rasch vollzogen werden. Zwei Gebäude weisen erhebliche bauliche Mängel auf, was eine Gefahr für Schüler und Lehrer darstellt. Darüber hinaus reichen die Klassenräume nicht für die vielen Schüler aus. Dies führt dazu, dass zahlreiche Schüler bei oft unzumutbaren Temperaturen (im Sommer bis zu +40 Grad und im Herbst bei +2 Grad) im Freien unterrichtet werden. Der Klassenraummangel führte sogar zur Umfunktionierung der Toiletten zu Klassenräumen. Die bestehenden Latrinen reichten mit nur 5 Kabinen bei weitem nicht aus und waren stark sanierungsbedürftig. Auch der nicht vorhandene Zugang zu sauberem Wasser beeinträchtigte den Schulbetrieb sowie den Lernerfolg der Kinder, da die Schüler im Sommer an starkem Durst leiden.

Im ersten Schritt vervollständigten wir den Bau der fünf nicht fertig-gestellten Klassenräume und statteten diese aus. Die Maßnahme wurde Anfang 2016 erfolgreich beendet.

Nach sorgfältiger Planung vor Vorbereitung für die weiteren Schritte, realisierten wir 2017 mit unserem lokalen Partner VUSAF den Bau acht geschlechter-getrennten und barrierefreien Sanitäranlagen inklusive Handwaschanlagen mit sauberen Trinkwasser zu Kosten in Höhe von 23.771 €. Dabei wurden wir zu 75% durch Mittel des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert. Aufgrund der optimierten Hygienebedingungen verbessern sich seitdem der Gesundheitszustand als auch die Bildungschancen und Lernerfolge der Schüler.

Außerdem stellten wir 2017 im Zuge einer Nothilfemaßnahme der Schule 15 wetterfeste Zelte, um den akuten Raummangel vorübergehend zu entspannen. Dies erhöhte bereits die Unterrichtsanwesenheit. Natürlich sind Zelte nur eine vorübergehende Lösung. Daher planten wir die Erweiterung der Schule durch Neubauten in mehrere Phasen.

Im Anschluss wir in Zusammenarbeit mit dem BMZ qualitatives Lernen durch den Bau acht neuer Klassenräume und eines Labors, was durch Workshops für Lehrer*innen der Naturwissenschaften im Frühjahr abgerundet wird. Naturwissenschaftliche Fächer können seit Sommer 2019 praktisch unterrichtet werden. Die Projektkosten im Ausland beliefen sich auf 173.883,00 €.

Da der Klassenraummangel jedoch immer noch hoch ist, starteten wir im August 2019 mit dem Neubau eines weiteren Klassentrakts. Dieser soll diesmal 12 vollständig eingerichtete Klassenräume und vier Lehrerzimmer beinhalten. Letztere sollen es den Lehrer*innen ermöglichen den Unterricht gründlich und in Ruhe vor- und nachzubereiten, wodurch die Lehrqualität steigt. Außerdem werden wir direkt zu Beginn einen Raum in dem neuen 8-Klassenraumgebäude als Computerlabor ausstatten. In diesem starteten im Oktober durch professionelle Trainer*innen angeleitete Informatikkurse für die Schüler*innen der 8. und 9. Klassen. Die Trainer*innen werden die zuständigen Lehrer*innen 16 Monate lange einführen und unterstützen, sodass diese anschließend den Unterricht übernehmen können. Der Informatikunterricht ist Teil des nationalen Curriculums, konnte aber bisher aufgrund fehlender Materialien und Kenntnisse nicht stattfinden. Die Schüler*innen sollen hierdurch wichtige Schlüsselqualifikationen erschließen, welche ihre Chancen auf eine gute Aus- oder Weiterbildung steigern.
Die Gesamtprojektkosten für die 12 Klassenräume inkl. IT-Kurse belaufen sich auf ca. 413.225,92 €. Unser Antrag beim BMZ wurde bewilligt. Wir freuen uns, dass es weiter geht. Das BMZ bezuschusst das Projekt mit 292.420 €, den Rest müssen wir als Eigenanteil erbringen.