Ausgangslage

Die Kaloi Grundschule liegt in Karamoja, einer Region im Nordosten Ugandas, die im Vergleich zum restlichen Land aride und infrastrukturell schlechter entwickelt ist. Regen fällt in Karamoja unregelmäßig und oft unvorhersehbar, was vermutlich auf den Klimawandel zurück zu führen ist. Durch die langen Dürreperioden und die Erosion der Erde ist diese Region von Wüstenbildung bedroht. Menschen verlassen die Gegend wegen Ernteausfällen und dem Mangel an alternativen Einkommensmöglichkeiten. Die Bevölkerung in der Region besteht größtenteils aus Halbnomaden, die von Rinderhaltung in der Savanne leben. Aufgrund der oft schwierigen klimatischen Bedingungen für die Landwirtschaft ist die Armutsquote sehr hoch. Grundbildung hatte für die Bevölkerung lange Zeit einen sehr niedrigen Stellenwert. Die Analphabet*innenrate liegt bei 80 %  – was im Vergleich zum Landesdurchschnitt von 32 % erheblich hoch ist.

Die Kaloi Grundschule ist mit ihren knapp 350 Schüler*innen Teil einer wachsenden Gegenbewegung, in welcher der Wunsch auf Bildung vermehrt zunimmt. Die Schule liegt in der Savanne, etwa 10 km von der nächsten Kleinstadt entfernt, in einem Gebiet mit schwellendem Lehmboden, der bei Regen quillt und bei Trockenheit schrumpft. Wird keine Bewehrung der Fundamente vorgesehen, dann treten schnell Setzungsrisse im Mauerwerk auf und der Bestand der Bausubstanz ist gefährdet. Die staatlichen Finanzmittel für Schulen sind sehr beschränkt und wenn es zu einem Neubau von Klassenräumen kommt, wird dieser oft an unqualifizierte Unternehmen vergeben, die schnelles Geld machen wollen und an der Bauqualität sparen. Aus diesen Gründen kämpft auch die Kaloi Schule mit schlechten Unterrichtsbedingungen aufgrund fehlender oder baufälliger Infrastruktur.

Problemstellung

Die Grundschule in Kaloi wurde bereits 1984 eröffnet und zählt heute schon ca. 107 Schülerinnen und 186 Schüler im Alter von fünf bis 14 Jahren sowie 15 Lehrer*innen. Die meisten Kinder kommen aus Dörfern in der näheren Umgebung der Schule, einige legen jedoch auf dem Schulweg weite Strecken zurück, oftmals sogar barfuß.

Momentan besitzt die Schule fünf Klassenböcke, mit je zwei Klassenräumen, die teilweise als Schlafräume für Lehrer*innen und Schüler*innen sowie als Verwaltungsräume genutzt werden und erhebliche Baumängel aufweisen.Es mangelt an Klassenräumen. Teilweise haben zwei Klassen in einem Raum gleichzeitig Unterricht. Das Lehrer*innenhaus weist so starke Setzungsrisse auf, dass es einsturzgefährdet ist. Ohne adäquate Wohnmöglichkeit spielen Lehrer*innen mit dem Gedanken, die Schule zu verlassen. Die Schule besitzt außerdem einen Garten, der während der Regenzeit teilweise Gemüse als zusätzliche Nahrung zu den oft unzureichenden Bohnen und Körnermais des Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen liefert. Die sanitären Anlagen der Schule befinden sich ebenfalls in einem einsturzgefährdeten und zusätzlich unhygienischem Zustand.

Lernerfolge bleiben in dieser Schule oft aus, die Drop-Out Quote der Schüler*innen steigt, Lehrer*innen wandern ab und die gesundheitlichen Einschränkungen mindern die Motivation von verbleibenden Schüler*innen und Lehrer*innen.

Unsere Lösung

Bei unserem Besuch im Oktober 2018 wurden wir mit einer sehr herzlichen Willkommens-Zeremonie überrascht, organisiert von Schulpersonal und Eltern. Durch Eigeninitiative einer Gruppe von Eltern wurden bereits Aktionen gestartet, um andere Eltern von der Wichtigkeit von Schulbildung zu überzeugen. Daraus entstand außerdem ein engagiertes Eltern-Lehrer*innen-Komitee. Dieses Engagement hat uns nachhaltig beeindruckt und davon überzeugt, die Schule zu unterstützen. Denn diese Eigeninitiative zeigt uns das Vorhandensein der nötigen Grundlage, um zu garantieren, dass infrastrukturelle Fortschritte an der Schule von der Zielgruppe angenommen und genutzt werden.
In Kooperation mit der Welthungerhilfe und Viva con Agua wollen wir dem aufkommenden Wunsch nach Bildung in der Bevölkerung nachkommen und langfristig die Lehr- und Lernbedingung an der Schule verbessern. Unser Ziel ist es, alle baufälligen Gebäude zu ersetzen und Unterkunftsmöglichkeiten für Schüler*innen zu schaffen. Außerdem planen wir durch Capacity Building Maßnahmen das Bewusstsein für Bildung in der Gemeinschaft stärker zu fördern. Damit schaffen wir einen integrativen Ansatz und fördern gleich vier der Sustainable Development Goals (SDG):

  • Beendigung von Armut (SDG Nr. 1)
  • Sicherung von Ernährung und Verhinderung von Hunger (SDG Nr. 2)
  • Förderung von qualitativem Lernen (SDG Nr. 4)
  • Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitätsversorgung (SDG Nr. 6)

Unser Vorhaben startete im März 2019 mit dem Bau von geschlechtergetrennten Trocken-Kompost-Toiletten. Außerdem begann der Bau von Waschräumen für Mädchen und Jungen, welche an die später entstehenden Schlafsäle angegliedert werden. An dieser Stelle danken wir Viva con Agua Sankt Pauli, welche einen Großteil dieser ersten Projektphase finanziert haben. Begleitend dazu werden mehrere Workshops von Viva con Agua Kampala durchgeführt, die Kinder und Lehrkräfte auf spielerische Art und Weise über die Themen Hygiene und Gesundheit aufklären, um Gesundheitsrisiken aufgrund von mangelnder Hygienepraktiken langfristig vorzubeugen.

Darüber hinaus begann im Oktober 2019 der Bau von Schlafsälen für Mädchen und Jungen, welche die Schüler*innen von weiter weg davor bewahren sollen frühzeitig aus der Schule auszuscheiden. Gleichzeitig entsteht nahe der Waschräume und Schlafsäle ein neuer Brunnen mit Handpumpe, sodass die Kinder keine weiten Wege für sauberes Wasser zurücklegen müssen.

Zum Abschluss ist dann ab Januar 2020 die Sanierung von zwei sehr baufälligen Klassenräumen geplant, damit der Unterricht für alle Schüler*innen wieder in einer angemessenen Lernumgebung stattfinden kann. Abgerundet werden alle unsere Bauvorhaben durch Workshops und die Etablierung von Kommitees zur Instandhaltung der Gebäude, um ihren Erhalt langfristig zu sichern.