Grund- und Mittelschule Khwaja Boghra -  Visions4Children

Grund- und Mittelschule Khwaja Boghra

Kabul, Afghanistan
Projektstart: 2015

Spendenstand: 596.910 €

Ziel: 649.200 €

Spendenstand: 596.910 €

Ziel: 649.200 €

Khwaja Boghra gilt als eines der ärmsten Viertel der afghanischen Hauptstadt Kabul. Dort befindet sich die staatliche Grund- und Mittelschule „Khwaja Boghra“, welche von mehr als 5.000 Schüler*innen besucht wird. Zu Beginn unserer Arbeit fehlte es der Schule vor allem an ausreichend Platz und Sanitäranlagen. Bauliche Mängel und fehlendes sauberes Wasser gefährdeten die Gesundheit der Kinder. Wir begannen 2015 mit dem Bau von 5 neuen Klassenräumen. Daran anschließend begannen wir ab 2017 die Kooperation mit unserem lokalen Partner VUSAF indem wir die sanitären Bedingungen an der Schule verbesserten. Daran anschließend planten wir die Schaffung von adäquaten Lernraum durch den Neubau von 8 und 12 Klassen. Dazu kamen die Einrichtung eines Naturwissenschaftslabors, eines Computerraums und vier Büros. Außerdem investierten wir in die Weiterbildung der Lehrkräfte für Naturwissenschafts- und IT-Unterricht.

Ausgangssituation

Afghanistan ist ein Binnenstaat Südasiens mit ca. 38 Millionen Einwohner (Stand 2020). Durch etliche Kriege und politische Unruhen in den letzten 40 Jahren befindet sich das Land in einer andauernden instabilen Situation. Die Hauptstadt Kabul befindet sich im Osten Afghanistans und ist mit 3,9 Millionen Einwohnern (Stand 2017/2018) die mit Abstand bevölkerungsreichste Stadt des Landes. Die zahlreichen Anschläge die immer wieder hunderte Opfer forderten, zeichnen den Alltag der Bevölkerung und erschweren die Arbeit von Hilfsorganisationen. Nichtsdestotrotz brauchen das Land und vor allem die Kinder gerade jetzt unsere Unterstützung, um Mut und Hoffnung schöpfen zu können.

 

Der Standort unseres Projekts liegt in Khwaja Boghra, einem Viertel, das zu den ärmsten der Stadt zählt. Die Bewohner*innen arbeiten hauptsächlich in der Landwirtschaft oder üben Handwerksberufe aus – sofern sie überhaupt Arbeit finden. Zudem zeichnet sich Khwaja Boghra durch einen hohen Anteil an Kinderarbeit aus. Häufig ist dies auch bei den Schüler*innen unserer Projektschule der Fall, die vor oder nach den Schulzeiten arbeiten müssen, um ihre Familien finanziell unterstützen zu können. Die staatliche Grund- und Mittelschule „Khwaja Boghra“ wurde 2009 gebaut. 2.621 Mädchen und 3.095 Jungen, insgesamt 5.716 Schüler im Alter von 6-16 Jahren, sind an der Schule registriert (Stand 2019) und besuchen den Unterricht in drei Schichten. Die Schule verfügte vor unserem Agieren über drei unterschiedlich große Gebäude mit insgesamt etwa 20 Klassenräumen und fünf Latrinen in einem separaten Gebäude. Im Sommer 2015 reiste unser Mitglied Farhat Bafaiz nach Kabul, um ihre Familie zu besuchen. Ihre Tante ist Lehrerin an der Schule und bat Visions for Children e.V. um Unterstützung, da die Gebäude nicht nur viel zu wenig Raum boten, sondern auch teilweise einsturzgefährdet waren. Farhat begann mit der Bestandsaufnahme und Grundlagenermittlung noch während ihres Aufenthalts.

Problemstellung und Lösung

Die Bestandsaufnahme konnte rasch vollzogen werden. Zwei Gebäude wiesen erhebliche bauliche Mängel auf, was eine Gefahr für Schüler*innen und Lehrer*innen darstellte. Darüber hinaus reichten die Klassenräume nicht für die vielen Schüler*innen aus, was dazu führte, dass viele von ihnen bei oft unzumutbaren Temperaturen (im Sommer bis zu +40 Grad und im Herbst bei +2 Grad) im Freien unterrichtet werden mussten. Die bestehenden Latrinen reichten mit nur fünf Kabinen bei weitem nicht aus und waren stark sanierungsbedürftig. Auch der nicht vorhandene Zugang zu sauberem Wasser beeinträchtigte den Schulbetrieb sowie den Lernerfolg der Kinder, da sie im Sommer unter starkem Durst litten.

 

Im ersten Schritt vervollständigten wir den Bau der fünf nicht fertig gestellten Klassenräume und statteten diese aus. Die Maßnahme wurde Anfang 2016 erfolgreich beendet und kostete ca. 4.000€.

 

Nach sorgfältiger Planung und Vorbereitung der weiteren Schritte, realisierten wir 2017 mit unserem lokalen Partner VUSAF den Bau von acht geschlechtergetrennten, barrierefreien Sanitäranlagen inklusive Handwaschanlagen mit sauberem Trinkwasser zu Kosten in Höhe von 23.771,00 €. Dabei wurden wir zu 75% durch Mittel des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert. Aufgrund der optimierten Hygienebedingungen verbessern sich seitdem sowohl der Gesundheitszustand als auch die Bildungschancen und Lernerfolge der Schüler*innen.

 

Zudem stellten wir 2017 im Zuge einer Nothilfemaßnahme der Schule 15 wetterfeste Zelte zur Verfügung, um den akuten Raummangel vorübergehend zu entspannen. Dies erhöhte bereits die Unterrichtsanwesenheit. Natürlich sind Zelte nur eine vorübergehende Lösung, weshalb wir die Erweiterung der Schule durch Neubauten in mehrere Phasen in Angriff nahmen.

 

Ab 2018 startete dann der Bau von acht neuen Klassenräumen, um die Lernqualität in adäquaten Räumen zu verbessern. Dazu kamen auch ein Naturwissenschaftslabor und einwöchige Workshops für Lehrer*innen der Naturwissenschaften. Das Vorhaben wurde im Sommer 2019 erfolgreich abgeschlossen und naturwissenschaftliche Fächer können seitdem praktisch unterrichtet werden. Die Projektkosten für diese Phase beliefen sich auf ca. 185.000 € und wir wurden zu ca. 85% vom BMZ finanziert.

 

Da der Klassenraummangel jedoch immer noch hoch war, starteten wir im August 2019 mit dem Neubau eines weiteren Klassentrakts. Dieser soll diesmal 12 vollständig eingerichtete Klassenräume und vier Lehrerzimmer beinhalten. Letztere sollen es den Lehrer*innen ermöglichen den Unterricht gründlich und in Ruhe vor- und nachzubereiten, wodurch die Lehrqualität steigt. Außerdem haben wir direkt zu Beginn einen Raum im neuen 8-Klassenraumgebäude als Computerlabor ausgestattet. In diesem starteten im Oktober 2019 Informatikkurse für die Schüler*innen der 8. und 9. Klassen, die durch professionelle Trainer*innen angeleitet werden. Die Trainer*innen werden die zuständigen Lehrer*innen 16 Monate lange einführen und unterstützen, sodass diese anschließend den Unterricht selbständig übernehmen können. Der Informatikunterricht ist Teil des nationalen Curriculums, konnte aber bisher aufgrund fehlender Materialien und Kenntnisse nicht stattfinden. Die Schüler*innen sollen hierdurch wichtige Schlüsselqualifikationen erschließen, welche ihre Chancen auf eine gute Aus- oder Weiterbildung steigern. Die Gesamtprojektkosten für die 12 Klassenräume inkl. IT-Kurse belaufen sich auf ca. 419.000 € und das BMZ bezuschusst dieses Vorhaben mit ca. 290.000 €.

 

Darüber hinaus haben wir im Sommer 2020 mit finanzieller Unterstützung durch die Senatskanzlei Hamburg einen Spielplatz für die kleineren Kinder an der Schule bauen können. Dies schafft den Schüler*innen einen Pausenort, an dem sie sich austoben und entspannen können, wodurch ihre Konzentrationsfähigkeit gesteigert wird. Dieses Vorhaben hat ca. 4.000€ gekostet.

 

Alle diese Aktivitäten an der Khwaja Boghra Schule können voraussichtlich bis Frühjahr 2021 abgeschlossen werden. Im Jahr 2019 starteten wir erstmals mit der Durchführung von Befragungen von Schüler*innen und Lehrer*innen, um die Ergebnisse unserer Aktivitäten besser zu verfolgen, Wirkungen zu messen und eventuelle Modifikationen für Folgeprojekte abzuleiten. Die ersten Ergebnisse zeigten bereits einen enormen Zuwachs an positiven Einstellungen, Hoffnungen und Motivationen einiger Schüler*innen durch die bessere Lernumgebung. Zum Abschluss des Projektes in 2021 planen wir durch eine externe professionelle Evaluation die Wirkungen des gesamten Projekt auf die Unterrichtsqualität, Anwesenheitsraten, Lernerfolge und Motivation der Schüler*innen und Lehrer*innen noch umfassender zu messen.

Was bisher geleistet wurde

Bestandsaufnahme

Unser Mitglied Winuss ist erstmalig an der Khwaja Boghra Schule und macht eine Bestandsaufnahme. Sofort wird deutlich, dass die Schule einen erheblichen Bedarf an Klassenräumen hat. Aktuell werden viele Schüler*innen in baufälligen Räumen oder sogar draußen unterrichtet.

Baustart fünf Klassen

Die Bauarbeiten zur Fertigstellung der fünf Klassenräume beginnen.

Einrichtung fünf Klassen

Die fünf Klassenräume sind fertiggestellt und wurden mit Tischen und Bänken eingerichtet

BMZ Antrag bewilligt

Die BMZ genehmigt unseren Projektantrag und bewilligt die eingereichten Kosten. Im Herbst soll der Bau von acht neuen Toiletten und einer neuen Handwaschanlage beginnen.

Baustart neuer Sanitäranlagen

Nach sorgfältiger Auswahl wurde die Firma PRIZMA mit dem Bau beauftragt und die Baustelle ist fertig eingerichtet. Im Rahmen eines feierlichen Events wurde der Grundstein gelegt und der Bau von acht Latrinen und einer Handwaschanlage erfolgreich gestartet.

Notlösung: 15 neue Zelte

Aufgrund des akuten Raummangels stellen wir der Schule 15 gebrauchte wetterfeste UNICEF-Zelte. Somit müssen keine Schüler*innen mehr im Freien unterrichtet werden. Der Erfolg durch eine gestiegene Unterrichtsanwesenheit setzt schnell ein.

Hygiene Workshops mit Zirkus

Im Rahmen des Sanitärprojekts haben Schüler*innen und Lehrer*innen an einem Tag alles wichtige über Hygiene, Gesundheit und Ernährung erfahren. Der Afghan Mobile Mini Circus for Children (MMCC) hat das Tagesprogramm mit einer zum Thema passenden Aufführung abgerundet.

Dritte Projektreise nach Kabul

Unser Mitglied Salim Khamoush ist für zehn Tage nach Kabul gereist, um sich den Fortschritt des Projekts anzuschauen. Die Baumaßnahmen sind schon fast abgeschlossen. Außerdem verfestigt Salim unseren persönlichen Kontakt zu VUSAF und dem MMCC.

Projektabschluss der Sanitäranlagen

Die Sanitär- und Handwaschanlagen sind endlich fertig. Am 26.12.2017 werden sie offiziell an die Bildungsbehörde übergeben. Es folgt nur noch die offizielle Buchprüfung und wir beginnen nun mit der Nachweiserstellung gegenüber dem BMZ.

BMZ Verwendungsnachweis

Endlich haben wir den fertigen Verwendungsnachweis samt Kostenabrechnungen und Fotos beim BMZ eingereicht. Nun geht es schleunigst an den Antrag für ein zweites Projekt in Kabul.

BMZ Antrag Zweitprojekt

Nach ein paar arbeitsintensiven Tagen haben wir endlich den Antrag für unser zweites Projekt beim BMZ eingereicht. Wegen des akuten Raummangels wollen wir ab August 2018 mit dem Bau eines neuen Klassentrakts mit acht Klassenräumen beginnen.

Vierte Projektreise nach Kabul

Unsere Vorstandsvorsitzende Hila Limar reist zum ersten Mal seit ihrer frühen Kindheit zurück nach Afghanistan. Sie besucht unser Projekt an der "Khwaja Boghra" Schule und darf sogar bei der Grundsteinlegung dabei sein. Außerdem erhält sie Gelegenheit das Team unseres Projektpartners VUSAF persönlich kennenzulernen.

Nach der Winterpause geht der Bau endlich voran

Nach dem kalten Winter und einer damit einhergehenden Baupause schreitet der Bau der neuen acht Klassenräume ab sofort weiter voran.

Fünfte Pojektreise nach Kabul

Im Rahmen einer weiteren Projektreise besucht Hila Limar die Schule erneut, diesmal in Begleitung von Mitglied Arthur Fedai. Neben der Begutachtung des Baufortschritts und Gesprächen mit Schulleitung und unserem Projektpartner, führen wir auch erstmals eine Befragung durch. Mindestens 240 Mädchen wurden zu ihren täglichen Schulerfahrungen und Wünschen in Fragbögen und kleinen Gesprächsrunden befragt.

Einweihung der neuen 8 Klassenräume & NaWi-Workshops für Lehrer*innen

Es ist geschafft: am 25.07.2019 wurde das neue 8-Klassenraumgebäude offiziell eröffnet und dem Bildungsministerium übergeben. Nun folgt die Aufbereitung des Verwendungsnachweises gegenüber dem BMZ. Des Weiteren fanden die Naturwissenschaften-Workshops für die Lehrer*innen statt.

Bewilligung BMZ-Antrag Drittprojekt

Endlich wird unser BMZ-Antrag bewilligt und dem Projektstart für zwölf Klassenräume und begleitenden IT-Schulungen steht nichts mehr im Wege.

Start Computerkurse & Grundsteinlegung

Anfang Oktober haben außerdem die Computerkurse gestartet: in dem neuen 8er Gebäude wurde ein Raum als Computerraum mit 16 Laptops und weiteren Equipment ausgestattet. Außerdem wurde Ende Oktober in einer kleinen Zeremonie der Grundstein gelegt. Es waren neben Schüler*innen, Lehrer*innen und Schulleiter auch unser lokaler Partner VUSAF und der Bildungsminister anwesend.

Erneute Projektreise nach Kabul

Eine erneute Projektreise von Vorstandsvorsitzender Hila Limar und Mitglied Winuss Azizi findet statt. Die beiden können bei dieser Gelegenheit die Befragungen von Anfang des Jahres erneut mit insgesamt 200 Mädchen und 50 Jungen durchführen. Dies bietet uns die Grundlage die Ergebnisse später zu vergleichen und eventuelle Fortschritte und Wirkungen durch unsere Aktivitäten zu messen.

VUSAF wird zu OASE

Aus unserem bisherigen Projektpartner VUSAF gründet sich OASE aus. Während VUSAF zukünftig den Schwerpunkt auf Ausbildungs- und Frauenprojekte legt, wird OASE den Fokus auf Bildungsprojekte wie unsere legen. Die Mitarbeiter*innen und unsere Ansprechpartner*innen bleiben aber größtenteils dieselben, es ist also eher ein formeller Wandel, der eine zukünftige Professionalisierung begünstigt.

Schulschließungen im Zuge der COVID19-Pandemie

Auch vor Kabul macht die Corona-Pandemie natürlich keinen Halt – im Gegenteil: die Bewohner*innen der Stadt sind besonders gefährdet, da das afghanische Gesundheitssystem schnell überlastet ist, kaum Testungen durchgeführt werden und die Aufklärungsarbeit über das Virus in der Stadt mangelhaft ist. Auch in Afghanistan kommt es zu landesweiten Schulschließungen, unsere Computerkurse werden unterbrochen und der Bau wird vorerst gestoppt.

Bau-Sondergenehmigung

Unser Projektpartner hat eine Sondergenehmigung bekommen und zumindest der Bau der 12 Klassen kann voran gehen.

Installation von Solarpanels

Um die Stromversorgung für die Computerkurse nachhaltig zu sichern haben wir Solarpanels auf dem Schuldach installiert.

Evaluationsergebnisse

Wir haben die Befragungen aus Anfang und Ende 2019 endlich abschließend ausgewertet und haben größtenteils tolle Neuigkeiten! Die meisten Einstellungen und Hoffnungen der meisten Mädchen haben sich gesteigert, sie scheinen motivierter die Schule zu besuchen und mehr Zuversicht in eine bessere Zukunft durch ihre Bildungschancen zu haben. Der Ausbau der Schule zu einem adäquaten Lernort, an dem sich alles Schüler*innen wohl fühlen, scheint also schon Wirkung zu zeigen.

Fortsetzung der Computerkurse

Die Schulen in Kabul sind leider immer noch größtenteils geschlossen, nur die höheren Abschlussklassen dürfen den Unterricht schrittweise wieder besuchen. Für unsere Computerkurse haben wir glücklicherweise eine Sondergenehmigung erhalten. Um die verlorene Zeit aufzuholen, haben wir die Gruppen pro Tag verdoppelt, sodass nun täglich 64 Mädchen und 64 Jungen in mindestens 4 Einzelgruppen IT-Unterricht bekommen.